Würzburg/Lohsa, 23.09.2026 — AXSOL hat einen weiteren Batteriegroßspeicher für den Energieflexibilitäts-Anbieter terralayr erfolgreich ans Netz gebracht. Die Anlage befindet sich in Lohsa in der sächsischen Lausitz, unmittelbar am Dreiweiberner See. Als EPC-Generalunternehmer verantwortete AXSOL die Planung, Beschaffung, Bauausführung, Systemintegration und Inbetriebnahme des Speichers.
Das Batteriespeichersystem verfügt über eine ausgelegte Wirkleistung von 8 MW und rund 17,5 MWh nutzbare Speicherkapazität am Netzanschlusspunkt. Durch die Bereitstellung kurzfristig verfügbarer Flexibilität kann die Anlage sowohl für den Stromhandel als auch für Netzdienstleistungen eingesetzt werden und damit Schwankungen zwischen Stromerzeugung und -verbrauch ausgleichen.
AXOS verbindet Speicher, Netz und Vermarktung
Gesteuert wird der Batteriespeicher durch das von AXSOL entwickelte Energiemanagementsystem AXOS. Das System verarbeitet Betriebsdaten in Echtzeit und setzt die Anforderungen von Netz und Vermarktung automatisiert in entsprechende Lade- und Entladefahrpläne um. Gleichzeitig ermöglicht AXOS die kontinuierliche Überwachung des Anlagenbetriebs und schafft die technische Grundlage für eine flexible Multi-Use-Fahrweise.
„Mit Lohsa bringen wir gemeinsam mit terralayr einen weiteren Großspeicher erfolgreich in den Dauerbetrieb. Gerade bei Batteriespeichern zeigt sich die Qualität eines EPC-Partners am Ende daran, dass die einzelnen Komponenten zuverlässig als Gesamtsystem funktionieren und die Anlage die erwartete Flexibilität tatsächlich am Netz bereitstellt“, sagt Jürgen Zinecker, Geschäftsführer der AXSOL GmbH. „Mit unserem EPC-Ansatz und AXOS verbinden wir dafür Bau, Systemintegration und intelligente Steuerung aus einer Hand.“
Als EPC-Generalunternehmer übernimmt AXSOL dabei die Verantwortung über die einzelnen Gewerke und Komponenten hinweg – vom Engineering und der Beschaffung über die Bauausführung bis zur Integration und Inbetriebnahme des Gesamtsystems.
Der Speicher wird in die digitale Flexibilitätsplattform von terralayr eingebunden. Dort kann die verfügbare Speicherkapazität gemeinsam mit weiteren Anlagen für unterschiedliche Anwendungen und Energiemärkte optimiert und vermarktet werden.
„Mit Lohsa haben wir bereits das zweite Batteriespeicherprojekt gemeinsam mit AXSOL erfolgreich umgesetzt. Die erneute Zusammenarbeit bestätigt für uns, wie wichtig verlässliche EPC-Partner für die schnelle und professionelle Realisierung von Speicherprojekten sind. AXSOL hat sich dabei erneut als kompetenter und lösungsorientierter Partner bewährt. Wir freuen uns, diese erfolgreiche Zusammenarbeit fortzusetzen.“
Mit dem Projekt in Lohsa setzt AXSOL die Zusammenarbeit mit terralayr fort und unterstreicht seine Position als Full-Service-Anbieter für stationäre Batteriespeichersysteme – von Engineering, Beschaffung und Bau über die Netzintegration bis zur intelligenten Betriebsführung mit dem eigenen Energy Management System AXOS.
Über terralayr
terralayr ist ein voll integrierter Anbieter von Energieflexibilität. Das Unternehmen verbindet die Entwicklung und den Betrieb von Großbatteriespeichern in Deutschland mit einer eigenen Softwareplattform, die Flexibilität aggregiert, optimiert und vermarktet. Mit einer deutschlandweiten Entwicklungspipeline im Multi-Gigawatt-Bereich und einer Roadmap zur europaweiten Skalierung unterstützt terralayr Stromerzeuger, Netzbetreiber und industrielle Großverbraucher.“ Weitere Informationen unter www.terralayr.com.
Über AXSOL
Die AXSOL GmbH ist spezialisierter Systemanbieter für stationäre Batteriespeichersysteme (BESS) mit Sitz in Würzburg. Das 2012 gegründete Unternehmen übernimmt die vollständige Projektverantwortung — von Analyse und Engineering über Bau und Integration bis zur schlüsselfertigen Inbetriebnahme und laufenden Betriebsführung. Mit dem eigenentwickelten Energiemanagementsystem AXOS und einem herstellerunabhängigen Ansatz realisiert AXSOL effiziente Multi-Use-Speicherlösungen für Energieversorger, Anlagenbetreiber und Industriekunden.
Die häufigste Frage, die wir von Stadtwerken hören, lautet nicht: „Lohnt sich ein Batteriespeicher?“ Sie lautet: „Wie belastbar ist die Wirtschaftlichkeitsrechnung — und welches Risiko nehmen wir dabei auf uns?“
Das ist der entscheidende Unterschied. Wer nur nach dem ROI fragt, denkt in Punktprognosen. Wer nach Planbarkeit und Risikokorridoren fragt, denkt wie ein seriöser Investor. Genau dieser zweite Blickwinkel entscheidet, ob ein BESS-Projekt durch den Aufsichtsrat kommt — oder daran scheitert.
Dieser Artikel kartiert die drei zentralen Wirtschaftlichkeitshebel eines Batteriespeichers, ordnet sie nach Planbarkeit und zeigt auf, welches Rollenmodell bei welcher Stadtwerkgröße und welchem Risikoappetit typischerweise passt.
Was „kontrollierbare Wertschöpfung“ für Ihr Stadtwerk bedeutet
„Kontrollierbare Wertschöpfung“ ist kein Marketingbegriff — gemeint ist etwas Präzises: der Teil des BESS-Business-Cases, den Sie mit eigenen Daten absichern können, unabhängig von Marktpreisentwicklungen oder regulatorischen Änderungen.
Was das konkret bedeutet, hängt von Ihrer Stadtwerkgröße ab:
Kleines Stadtwerk (< 500 Mio. € Jahresumsatz): Kontrollierbare Wertschöpfung bedeutet hier vor allem Netzentlastung und Versorgungssicherheit — Hebel, die sich mit dem eigenen Lastprofil direkt messen und planen lassen. Die entscheidende Frage lautet nicht „Was bringt FCR?“, sondern: „Wie viel Leistungspreisreduktion ist auf Basis unserer Lastgangdaten realistisch?“
Mittleres Stadtwerk (500 Mio. – 2 Mrd. €): Hier kommt strukturierte Flexibilitätsvermarktung ins Bild. Ein eigenes Batteriespeicherprojekt mit externem Asset-Manager oder Optimizer ermöglicht es, Regelenergiemärkte (FCR, je nach Projektsetup auch aFRR) systematisch zu erschließen — mit absehbaren Erlöskorridoren auf Basis historischer Marktdaten.
Großer Versorger (> 2 Mrd. €): Multi-Asset-Strategie, Portfolio-Optimierung, eigene Handelskompetenz. Kontrollierbare Wertschöpfung bedeutet hier, Marktrisiken gezielt zu hedgen — etwa durch ein PSA (Power Sales Agreement), das einen Mindesterlös absichert, während ausgewählte Vermarktungsfenster für Upside offenbleiben.
Gemeinsam ist allen drei: Der planbarste Hebel ist immer jener, der auf Ihren eigenen Daten basiert.
Die drei Erlöshebel — geordnet nach Planbarkeit
Ein Batteriespeicher erschließt mehrere Erlösquellen gleichzeitig. Entscheidend ist, wie zuverlässig sich diese Quellen im Voraus kalkulieren lassen.
Hebel 1: Netzentgelt-Optimierung — direkt messbar
Leistungspreise machen in vielen Stadtwerken 30–50 % der Netzentgelte aus. Ein Batteriespeicher kann Lastspitzen kappen und damit den Leistungsanteil senken — auf Basis Ihrer eigenen Lastgangdaten. Das Einsparpotenzial lässt sich vor Projektbeginn präzise modellieren: kein Szenario, keine Annahme, sondern eine Rechnung mit Ihren Messwerten.
Dieser Hebel ist nicht spektakulär, aber er ist bankfähig — er lässt sich mit historischen Verbrauchsdaten belegen und schafft den stabilen Basiserlös eines jeden Business Cases.
Hebel 2: Regelenergievermarktung — historisch belegbar, aber volatil
FCR (Primärregelleistung), je nach Projektsetup auch aFRR, ist der bekannteste Erlösweg für Batteriespeicher. Historische EPEX-Daten erlauben eine Modellierung der Erlöskorridore — aber: Märkte ändern sich. FCR-Preise haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben.
Für einen belastbaren Business Case bedeutet das: Regelenergiemärkte gehören in die Sensitivitätsanalyse, nicht in den Base Case. Ein Stress-Test, der bei einem Erlösrückgang von 30 % noch einen positiven Kapitalwert zeigt, ist aussagekräftiger als eine optimistische Punktprognose.
Hebel 3: Vermiedener Netzausbau — CAPEX-Vergleich
Wer einen Netzausbau durch einen Batteriespeicher vermeidet oder zeitlich verschiebt, erzielt einen indirekten wirtschaftlichen Vorteil: Der CAPEX-Vergleich zwischen Kabelausbau und BESS-Investition zeigt häufig, dass der Speicher die günstigere Lösung ist — und dabei zusätzlich Erlöspotenziale bietet, die ein konventioneller Netzausbau nicht liefert.
Dieser Hebel ist am schwierigsten zu monetarisieren, aber in vielen Netzplanungsszenarien das stärkste strategische Argument vor dem Aufsichtsrat.
TCO-Planbarkeit: Warum nicht die Investitionssumme den Business Case bestimmt
Die häufigste Frage zum BESS-Business-Case lautet: „Was kostet das?“ Die richtige Frage lautet: „Was kostet das über die gesamte Laufzeit — und wie entwickeln sich Erlöse und Kosten in verschiedenen Szenarien?“
Total Cost of Ownership (TCO) über 15 Jahre umfasst:
CAPEX: Anschaffung, Installation, Netzanschluss — der sichtbarste, aber nicht der allein entscheidende Teil
OPEX: Wartung, Versicherung, Monitoring, Leitwartenzugang, Netzentgelte für Eigenverbräuche
Degradation: Kapazitätsverlust über die Laufzeit — bei LFP-Technologie typisch 2–3 % p.a.
Augmentation: Ab wann muss Kapazität nachgerüstet werden, um Erlösprofile zu halten?
WACC: Finanzierungskosten und Renditeanforderungen Ihres Stadtwerks
Der Kern: Wer nur CAPEX optimiert, plant blind. Ein Angebot mit niedrigem Listenpreis, aber hohen OPEX-Kosten und ohne klare Augmentationsoption kann über 15 Jahre teurer sein als eine höhere Anfangsinvestition mit transparenter TCO-Struktur.
Für den Finanzkäufer bedeutet das: Der Business Case muss als Sensitivitätsmodell vorliegen. Eine Tornado-Analyse über CAPEX-Abweichung, Erlösrückgang, Degradationsrate und WACC zeigt, welche Annahmen das Ergebnis am stärksten beeinflussen. Das ist keine Unsicherheit — das ist methodische Seriosität.
Rollenmodelle als wirtschaftlicher Rahmen
Wie viel Risiko Ihr Stadtwerk tragen möchte und kann, entscheidet mehr über den richtigen Business Case als die Technologiewahl. Vier Rollenmodelle stehen zur Auswahl:
Rollenmodell
Risikoprofil
Erlöspotenzial
Eigenaufwand
Contracting / JV
Sehr niedrig
Niedrig
Minimal
PSA (Power Sales Agreement)
Niedrig
Niedrig–Mittel
Gering
Eigentum + Optimizer
Mittel
Mittel–Hoch
Mittel
Eigenbetrieb
Hoch
Hoch
Hoch
Contracting / JV: Ein externer Partner finanziert, baut und betreibt — das Stadtwerk stellt Fläche und Netzanschluss, erhält Nutzungsrechte oder eine Beteiligung. Kein CAPEX, minimales Risiko, aber auch wenig operative Kontrolle.
PSA (Power Sales Agreement): Ein Vermarkter übernimmt das Speicherprojekt und garantiert dem Stadtwerk einen Mindesterlös — der Upside liegt beim Vermarkter. Maximale Planbarkeit bei moderater Rendite.
Eigentum + Optimizer: Das Stadtwerk investiert, ein externer Asset-Manager übernimmt die laufende Vermarktungsoptimierung. Volle Eigentümerrendite bei begrenztem internem Betriebsaufwand.
Eigenbetrieb: Das Stadtwerk übernimmt die vollständige Verantwortung — von der Investition bis zur Regelenergievermarktung. Höchstes Renditepotenzial, aber auch höchster Know-how- und Ressourcenbedarf.
Einordnungsrahmen: Welches Modell passt zu Ihrem Stadtwerk?
Keine zwei Stadtwerke sind gleich. Aber drei Faktoren bestimmen, welches Rollenmodell typischerweise am besten passt:
Interne Kapazität: Haben Sie ein eigenes Team, das Regelenergiemärkte versteht und bedienen kann?
Netzanschlussstatus: Ist eine geeignete Netzverknüpfung in absehbarer Zeit realisierbar — oder ist der Netzanschluss der eigentliche Engpass?
Risikoappetit: Welches Downside-Szenario ist für Ihr Stadtwerk tragbar, ohne den politischen und wirtschaftlichen Rückhalt zu gefährden?
Kleines Stadtwerk, niedriger Risikoappetit: Contracting oder PSA. Kein eigenes BESS-Team erforderlich — aber volle Teilhabe an der Energiewende.
Mittleres Stadtwerk, mittlerer Risikoappetit: Eigentum + Optimizer. Eigenes Asset, externer Know-how-Träger, Gremienbeschluss auf Basis einer klaren TCO-Analyse.
Großer Versorger, hoher Risikoappetit und eigene Handelskompetenz: Eigenbetrieb mit Multi-Asset-Strategie.
Wichtig: Der richtige Einstieg ist nicht der „beste“ Business Case auf dem Papier — sondern der, der in Ihrer Organisation tatsächlich umgesetzt werden kann und durch interne Gremien trägt.
Fazit: Kontrollierbare Wertschöpfung beginnt mit Ihren Daten
Ein BESS-Business-Case wird nicht durch den aktuellen Marktpreis für FCR entschieden — sondern durch die Qualität der Datenbasis, die Wahl des richtigen Rollenmodells und eine TCO-Analyse, die auch unter ungünstigen Szenarien belastbar bleibt.
Der erste Schritt ist immer derselbe: Ihr Lastprofil. Es zeigt, welcher Erlöshebel bei Ihrem spezifischen Abnahme- und Einspeiseverhalten das größte kontrollierbare Potenzial hat — und welches Rollenmodell dazu passt.
Lassen Sie Ihr Lastprofil analysieren — kostenlos und unverbindlich. Kontrollierbare Wertschöpfung beginnt mit Daten.
Rückblick auf die Panel-Diskussion der Windenergietage in Potsdam am 13. November 2025
Die Nachfrage nach Batteriespeichern steigt rasant. Sie sind das zentrale Flexibilitätsinstrument in einem Energiesystem, das von volatiler Erzeugung geprägt ist. Doch wie gelingt es, Speicherprojekte in Deutschland effizient zu entwickeln, genehmigen, realisieren und wirtschaftlich zu betreiben? Genau diese Fragen standen im Mittelpunkt der Panel-Diskussion auf den Windenergietagen in Potsdam – mit Experten von MVV Trading, JUWI und AXSOL.
Der überfüllte Raum zeigte eindeutig: Der Markt sucht Antworten. Und er braucht sie dringend.
Der Engpass: Netzanschluss als kritischer Erfolgsfaktor
Eine der deutlichsten Aussagen des Panels: Die größte Hürde ist und bleibt der Netzbetreiber.
Während die Genehmigungsbehörden in vielen Fällen kooperativ arbeiten, verlaufen Netzanschlussprozesse häufig zäh oder enden mit Einschränkungen – insbesondere bei Standalone-Speichern, die sowohl aus dem Netz beziehen als auch einspeisen möchten.
„Die größte Hürde in der Projektentwicklung ist eindeutig der Netzanschluss. Co-Location und hybride Ansätze kommen deutlich schneller ans Netz, weil sie die geringsten Auswirkungen auf das Netz haben.“
Felix Beyer (AXSOL GmbH)
Co-Location und Hybridprojekte sind klar im Vorteil. Sie nutzen bestehende Netzinfrastruktur und reduzieren die Netzbelastung. Speicher, die ausschließlich einspeisen (Grünstromspeicher), erhalten vergleichsweise schneller Zusagen, während Graustromspeicher mit bidirektionaler Fahrweise oft auf mehr Skepsis stoßen.
Ein weiterer Trend: Viele Netzbetreiber fordern bereits bei der Anschlussanfrage planungsreife Unterlagen – Schallgutachten, Pachtverträge oder Layouts. Damit sollen nicht belastbare Projekte früh ausgesiebt werden. Gute Vorbereitung verkürzt die Wartezeit erheblich.
Standortwahl und Dimensionierung: Die Netzlogik bestimmt die Projektgröße
Im Panel wurde klar: Speicher werden nicht theoretisch dimensioniert, sondern netzgetrieben.
Überbauung ist erlaubt und sinnvoll. Hybride PV- oder Windparks können heute mit Batteriekapazitäten ergänzt werden, die deutlich über der Nennleistung der Erzeugungsanlage liegen. Die Mindererlöse durch Netzengpässe sind moderat:
PV + Speicher: etwa 6 bis 8 Prozent
Wind + Speicher: etwa 10 bis 17 Prozent
Wirtschaftlichkeitsbenchmarks aus dem Panel:
Grünstromspeicher: ca. 100.000 Euro pro MW pro Jahr
Graustromspeicher: ca. 280.000 Euro pro MW pro Jahr (Basis: Marktjahre 2024/25)
Diese Differenz zeigt, welchen Wert Speicher mit Netzbezug entfalten können. Allerdings setzt das eine saubere Netz-, Mess- und Regelungslogik voraus.
Genehmigung: Komplex, aber beherrschbar
Zwar ist der Netzanschluss die größte Hürde, doch auch Genehmigungen sind anspruchsvoll. Relevante Punkte:
Schall
Brandschutz
Wasserrecht
Abstandsflächen
Zuwegung und Transportlogistik
Eine mögliche Zukunftserleichterung könnte die im EnWG diskutierte Privilegierung von Speichern im Außenbereich bringen. Würde sie beschlossen, wäre das ein echter Beschleuniger.
Realisierung: Die eigentliche Bauphase ist nicht das Problem
Ein überraschender Punkt aus der Diskussion: Die physische Realisierung eines Speichers ist vergleichsweise unkompliziert – insbesondere im Vergleich zu Wind- oder PV-Anlagen.
Die Herausforderungen liegen an anderer Stelle:
Lieferzeiten für Schaltanlagen: 30 bis 45 Wochen
Containerlieferzeit: 6 bis 9 Monate
Übergabestationen: größter Zeitfresser
Gesamtprojektdauer: 18 bis 24 Monate
Die Kernbotschaft der Experten: Frühzeitiges, paralleles Arbeiten ist entscheidend. Dazu gehören Gespräche mit Netzbetreiber, Vermarkter, EMS-Partner und Prüforganisationen. Projekte, die erst spät alle Beteiligten einbinden, verlieren wertvolle Monate.
Integration: Warum Speicher keine Plug-and-Play-Technologie sind
In der Diskussion wurde deutlich: Speicher unterscheiden sich grundlegend von anderen Erzeugungsanlagen. Sie sind dynamische Systeme, die tagtäglich auf Preissignale, Netzanforderungen und Regelenergie reagieren.
„Batteriespeicher sind kein Plug-and-Play. Jedes Co-Location-Projekt ist Manufaktur. Nur wenn alle Beteiligten früh an einem Tisch sitzen, funktioniert das System am Ende zuverlässig.“
Vivien Klein-Campailla (MVV Trading GmbH)
Jedes Projekt ist eine maßgeschneiderte Manufaktur:
Individuelle Schnittstellen zwischen BMS, PCS, EMS und EZA-Regelung
Unterschiedliche Netzschutzlogiken
Vermarkteranforderungen
Kommunikationsprotokolle
Reglerarchitekturen
Standardisierung entsteht erst, sie ist noch nicht am Markt etabliert.
Daher gilt:Vermarkter, EMS-Anbieter und EPC frühzeitig gemeinsam planen lassen.
AXSOL konnte in diesem Bereich Einblicke geben, wie ein integriertes EMS (AXOS) Schnittstellen standardisieren kann und welche Rolle KI-basierte Optimierung (ADONYS) im Betrieb spielt.
Betrieb: Wo Wirtschaftlichkeit gewonnen oder verloren wird
Speicher erwirtschaften Erlöse nur, wenn sie verfügbar sind. Fehlertoleranz gibt es kaum.
Zielwerte im Markt: Verfügbarkeit zwischen 95 und 97 Prozent.
Dafür braucht es:
Ersatzteilverfügbarkeit binnen 24 Stunden
Strukturierte Eskalationsketten
Präzises Degradationsmanagement
Intelligente Zyklenstrategie
Verstärkt wurde betont, wie eng Vermarktung und technischer Betrieb verzahnt sind. Ein Vermarkter kann die besten Fahrpläne planen – wenn ein Modul ausfällt, braucht es schnelle Kommunikation und technische Lösungen.
„Die Erlöse eines Speichers entstehen nur bei hoher Verfügbarkeit. Alles steht und fällt mit sauberer Integration, schnellen Reaktionszeiten und einem durchdachten Service- und Störungsmanagement.“
Leon Jacob (AXSOL GmbH)
Die Diskussion hob hervor, wie wichtig es ist, Zyklen über die Jahre flexibel zu planen. Ein typischer Speicher fährt heute etwa zwei Zyklen pro Tag, in Extremfällen mehr. Doch entscheidend ist die Lebensdauerstrategie, die Hersteller- und Vermarkterlogik berücksichtigen muss.
Vermarktungsmodelle: Mehr Vielfalt, mehr Optionen
Der Markt entwickelt unterschiedliche Vergütungsmodelle für Speicherbetreiber. Drei Modelle dominieren:
Profit Share mit Mindestgarantie (Floor) Stabile Planung mit reduzierter Volatilität.
Tolling-Modell Feste Vergütung pro MW pro Jahr, typische Werte: ab rund 118.000 Euro.
Gerade für Projektierer mit Investorenhintergrund ist das interessant – Planbarkeit ermöglicht Finanzierungssicherheit.
Fazit: Speicher sind Systemprojekte – keine Einzelprodukte
Die zentrale Erkenntnis des Panels lässt sich in einem Satz zusammenfassen:
Erfolgreiche Speicherprojekte entstehen nur dann, wenn Technik, Regulierung, Vermarktung und Betrieb von Anfang an gemeinsam gedacht werden.
Batteriespeicher sind keine isolierten Systeme. Sie sind die Schnittstelle zwischen Markt, Netz und Erzeugung. Projekte, die diese Perspektive einnehmen und Stakeholder früh unterstützen, werden schneller realisiert, verursachen weniger Risiken und erzielen deutlich höhere Erlöse.
Die Branche steht am Anfang einer massiven Skalierung.
Mit dem richtigen Setup können Speicher eine tragende Rolle in der zukünftigen Energieinfrastruktur einnehmen – flexibel, wirtschaftlich und sicher.
Jetzt das komplette Gespräch ansehen und tiefer in die aktuellen Entwicklungen im BESS-Markt eintauchen.
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